„Berufsfeld Architektur 1.0″

Berufsfeld Architektur 1.0

Bereits vorigen Mittwoch (16.1.2008 ) fand unter dem Titel
Bitter-Süßes Architektenleben?
die Präsentation des von Oliver Schürer und Helmut Gollner herausgegebenen Bandes „Berufsfeld Architektur 1.0″ im Architekturzentrum Wien statt.
Den Hintergrund der Publikation bildet eine von Oliver Schürer und Katharina Tielsch (beide vom Institut für Architekturwissenschaften der TU Wien) initiierte Studie, in der erstmals die berufliche Situation von Architekturschaffenden in ganz Österreich empirisch erhoben wurde. „Nur wenige österreichische Berufsstudien thematisieren Architektur. Statistisches Datenmaterial über das im Wandel begriffene Berufsfeld Architektur ist in Österreich nur grob und unvollständig vorhanden. Politische, wirtschaftliche und soziale Entscheidungen basieren jedoch auf statistischen Zahlen und Fakten“, so Katharina Tielsch im Vorwort zur Entstehung der Studie „Berufsfeld Architektur 1.0″.

Die Schaffung einer empirisch begründeten Datenbasis soll nicht nur eine Entscheidungsgrundlage darstellen, sie soll vor allem Licht hinter die Kulissen eines Berufsfeldes werfen, die zwischen „Star-Mythen“, „abgehobenem BaukünstlerInnentum“ aber auch „Jammertalszenarien“ aufgespannt sind. Die erhobenen Daten eröffnen ein bisher in dieser Breite nicht gekanntes Bild der Lebens- und Erwerbsbedingungen von Architekturschaffenden in Österreich. Dabei erscheint der allgegenwärtige Strukturwandel in der Arbeitswelt gerade in einem Berufsfeld als besonders interessant, dessen Konturen schon länger stärker verwischt sind, als die anderer Berufsfelder, dessen AkteurInnen sich in hohem Maße einer „Szene“ („der Architekturszene“) zurechnen und von denen viele in eigentümlicher Weise fachlich-technisches Angebot und künstlerischen Selbstverwirklichungsanspruch kombinieren – oder dies zumindest versuchen. Gerade diese Kombination dürfte auch eine „standesmäßige“ Vertretung von ArchitektInnen so schwierig machen, wie im Rahmen der Podiumsdiskussion zu hören war, mit der der Präsentationsabend abgeschlossen wurde und an der Walter Stelzhammer (Bundeskammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, Vorsitzender Sektion Architekten), Utz Purr (Architects Council of Europe (ACE)), Gertraud Leimüller (Vorsitzende ARGE creativ wirtschaft austria, Wirtschaftskammer Österreich), Christoph Thun-Hohenstein (Geschäftsführer departure) und Irene Prieler (Sprecherin IG Architektur) teilnahmen.

Gegenwärtig kämpfen ArchitektInnen trotz eines anhand der öffentlichen und medialen Befassung mit Architektur wahrnehmbaren Bedeutungszuwachses mit erheblichen Problemen. Hinter einigen architektonischen Vorzeigeobjekten findet sich eine zum Teil von Präkarität betroffene Masse an Architekturschaffenden, deren berufliche Tätigkeit nur in geringem Maße von krativen Arbeitsprozessen und eigenverantwortlicher Selbstständigkeit geprägt ist. Sowohl der Strukturwandel der Branche, den große Architekturbüros leichter überleben als kleine, als auch die hohe Anzahl an ArchitekturabsolventInnen erfordern eine neue Orientierung, was nicht zuletzt das Berufsbild der Architektur weiter verändert. Das bilden von Netzwerken ist hier genauso gefragt, wie das erschließen neuer Tätigkeitsfelder. Nicht wenige sind auch bereits dabei, ihre Fühler in Richtung der sogenannten Kreativwirtschaft zu erweitern.

Die Ergebnisse der Studie wurden „Architektur-externen“ BeobachterInnen zur Verfügung gestellt, um aus unterschiedlichen Blickwinkeln ein vielschichtiges Bild zu zeichnen – ein meines Erachtens nach ebenso vorbildlicher wie interessanter Ansatz! Ich hatte im Rahmen der Publikation die Gelegenheit, mich mit den Einstiegsbedingungen und Berufsperspektiven von ArchitektInnen zu befassen. Interessant war für mich dabei unter anderem ein Vergleich mit den Ergebnissen der Studie zu den „Beschäftigungsaussichten von UNI-AbsolventInnen“ im Auftrag des AMS Österreich, Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation, in der ArchitekturabsolventInnen befragt wurden. Auch diese zeigte unter anderem einen hohen Anspruch an kreatives und selbstständiges Arbeiten bei gleichzeitig erheblichen Schwierigkeiten in existenzsichernd Weise im Berufsfeld Architektur Fuß zu fassen.

Auffällig erscheinen mir in diesem Zusammenhang auch die Parallelen zu anderen Berufsfeldern, die in den letzten Jahren eigentlich einen starken Bedeutungszuwachs erfahren haben. Dabei fallen auch ganz unterschiedliche Branchen ins Auge: So haben sich auch die Erwerbsbedingungen von TrainerInnen in der Erwachsenenbildung insgesamt nicht positiv entwickelt, trotz des bildungspolitisch stark forcierten Themas des „Lebenslangen Lernens“. Auch in diesem Bereich ist übrigens das Ausmaß an Selbstständigkeit bzw. Freiberuflichkeit sehr hoch. Ein anderes Beispiel könnte der Pflegebereich sein, der sich strukturell allerdings von den beiden anderen stark unterscheiden dürfte. Hinweise dazu lassen sich mit Sicherheit hier finden.

0 Antworten zu „„Berufsfeld Architektur 1.0″“



  1. Noch keine Kommentare

Eine Antwort schreiben




del.icio.us