Alternative Energien: Beste Berufsaussichten, doch zu wenig Ausbildungsangebote

Der Wirtschaftszweig alternative Energien boomt in Österreich. 2005 waren bereits über 28.000 Personen in diesem Sektor beschäftigt – Tendenz steigend. Auf diese Nachfrage reagieren die Fachhochschulen mit ihrem Ausbildungsangebot zu zaghaft, so Experten. Es mangelt bereits an Absolventen.

Der Ölpreis schnellt in ungeahnte Höhen, fossile Energieträger gelten als Klimakiller. Alternative Formen der Energiegewinnung aus Biomasse, Biogas, Sonnenenergie, Wasser- und Windkraft verzeichnen daher ein enormes Wachstum. Neue Berufe und Arbeitsplätze entstehen. Welche Qualifikationen und Kompetenzen der/die MitarbeiterIn von morgen in diesem boomenden Wirtschaftszweig mitbringen muss, haben KMU FORSCHUNG AUSTRIA und abif im Auftrag der Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation des AMS Österreich erhoben.

Wachsender Personalbedarf
Beim Sektor „erneuerbare Energien“ handelt es sich um einen aufstrebenden und stark expandierenden Arbeits- und Produktionsmarkt, in dem ein stetig steigender Personalbedarf prognostiziert wird. „Ich sehe das Potenzial, dass man die Belegschaften vielleicht verdoppelt oder verdreifacht, und das in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren“, so ein Personalverantwortlicher eines österreichischen Energieunternehmens.

Es fehlen qualifizierte MitarbeiterInnen
Zurzeit herrscht bereits ein Mangel an qualifiziertem Personal. Laut den im Rahmen der Studie befragten Personalverantwortlichen gibt es insbesondere in den Bereichen Solar- und Windenergie einen Mangel an StudienabsolventInnen. Einschlägig Ausgebildete haben daher gegenwärtig und in den nächsten Jahren sehr gute Chancen auf einen raschen Berufseinstieg und einen sicheren Arbeitsplatz.

Innovation und Forschergeist
Wegen des großen Expansionspotenzials und der gerade entstehenden Strukturen ist in dieser Branche Innovation besonders gefragt. Menschen mit Forschergeist, die an kreativen Lösungen oder technologischen Verbesserungen tüfteln, sind gesucht. Das trifft auf alle alternative Energieformen, also Solarenergie, Windkraft, Biomasse, Wasserkraft, Geothermie und Biogas zu.

Fachhochschul- und Universitätsabschlüsse zunehmend gewünscht
Für den Großteil der Positionen im alternativen Energiesektor ist Maturaniveau ausreichend, für Projektleitungs- und Führungspositionen werden aber ausdrücklich Fachhochschul- bzw. UniversitätsabsolventInnen gesucht. Fachhochschulen und Universitäten reagieren, wenn auch zaghaft, auf diese Nachfrage und bieten spezielle Studiengänge mit Fokus auf erneuerbare Energie an.

Studiengänge erneuerbare Energien

Allerdings besteht nach wie vor ein Aufholbedarf. Bisher haben insbesondere Universitäten mit technischen Studienrichtungen es verabsäumt, erneuerbare Energien in bestehenden Studienrichtungen ausreichend zu berücksichtigen.

Expansion in den Osten
Da in den osteuropäischen Ländern noch erhebliches Entwicklungspotenzial bezüglich erneuerbarer Energie besteht, ist das Beherrschen einer slawischen oder romanischen Sprache, neben Englisch, von besonderem Vorteil.

Breitere Anforderungsprofile
Insgesamt zeigt sich, dass die Anforderungen auch für technisches Personal zunehmen und neben sprachlichen Zusatzqualifikationen verstärkt der Bereich der Soft Skills eine Rolle spielt, wie dies auch in anderen Branchen der Fall ist. Gefragt sind in erster Linie persönlichkeitsnahe Selbstkompetenzen wie Flexibilität, Belastbarkeit, Selbstständigkeit, Engagement, Genauigkeit und Durchsetzungsvermögen, aber auch eine grundsätzliche Offenheit und ein persönliches Interesse für die Themen Umwelt, Klima und Ökologie. Darüber hinaus wird im Vergleich zu früher auch mehr Wert auf Methodenkompetenzen und soziale Kompetenzen gelegt.

Das Verständnis von Kompetenzen in der Praxis
Obwohl die Anforderungsprofile hinsichtlich gewünschter Kompetenzen breiter formuliert werden, d.h. nicht mehr ausschließlich der Qualifikationsnachweis als Eignungskriterium bei der Auswahl von MitarbeiterInnen herangezogen wird, herrscht in der betrieblichen Praxis ein sehr heterogenes Verständnis von Kompetenzen bzw. Soft Skills, das nur selten konkret ausformuliert und differenziert ist. Daher werden von den Personalverantwortlichen auch fachliche Qualifikationen bzw. Zusatzqualifikationen als sogenannte Schlüsselkompetenzen verstanden. Eine Abgrenzung zwischen den unterschiedlichen Kompetenzbereichen ist in der Praxis kaum vorhanden bzw. wird häufig auch als nicht notwendig erachtet. Das Verständnis und der Aufwand für die Erfassung von Kompetenzen bzw. Soft Skills nehmen dabei grundsätzlich mit Größe und hierarchischer Differenzierung eines Unternehmens zu.

  • Link: Soft und Hard Skills vor dem Hintergrund von Personalrekrutierungspraxis und Qualifikationsbedarf des Energie- und Umweltsektors in Österreich
  • 1 Antwort zu „Alternative Energien: Beste Berufsaussichten, doch zu wenig Ausbildungsangebote“



    1. 1 Broschüre “Umweltberufe” « abif - analyse beratung und interdisziplinäre forschung Trackback zu 11. Januar 2008 um 2:28

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