Was unseren jährlichen Veranstaltungskalender betrifft, haben wir mit den letzten Monaten ein besonders intensives Frühjahr hinter uns gebracht. Neben den QUINORA-Workshops* standen vier Fachtagungen zu verschiedenen aktuellen Fragestellungen im Themenbereich Arbeitsmarkt-Qualifizierung-Weiterbildung auf dem Programm. Diese entstanden in Kooperation mit dem AMS Österreich/Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation und – jeweils zweimal – mit der Caritas Österreich und mit der AK Wien.**
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Die erste Tagung des Frühjahrs 2007 mit dem Titel „Kompetenzbilanzierung, Soft Skills und Personalauswahl“ widmete sich dem Stellenwert der informellen und non-formalen Kompetenzen, die im Zuge der Entwicklungen rund um Lebenslanges Lernen und Europäischer sowie Nationaler Qualifikationsrahmen zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Die Beiträge umfassten nicht nur die (bildungs-)politischen Hintergründe dieser Entwicklungen (Referate von Angelika Pichler [bm:ukk] und Bernhard Horak [AK Wien]), sondern es wurde auch ihr Stellenwert in der unternehmerischen Rekrutierungspraxis und die Konsequenzen sich verändernder Anforderungen für die ArbeitnehmerInnen bzw. für Arbeitsuchende hinterfragt (Manfred Krenn, FORBA). Zwar gibt es durchaus kritisch zu hinterfragende Implikationen einer verstärkten Kompetenzorientierung, jedoch ergeben sich bei entsprechender Gestaltung der Rahmenbedingungen auch eine Reihe von Vorteilen wie zum Beispiel die Erhöhung der Durchlässigkeit im Bildungssystem und bei Übertrittsprozessen in den Arbeitsmarkt. Über die Modelle dieser Gestaltung referierte der einschlägige Experte auf diesem Gebiet, John Erpenbeck (Steinbeis Hochschule Berlin), einen Bericht aus der Praxis bzw. über die Rekrutierungspraxis lieferte Christa Lackner („die umweltberatung“).
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Am 14.5.2007 drehte sich alles um das Thema „Einbindung durch Ausbildung? Zur Situation von gering Qualifizierten am österreichischen Arbeitsmarkt“. Bekanntlich nehmen die Probleme, denen Personen am Arbeitsmarkt insbesondere bei der Arbeitssuche gegenüber stehen, mit zunehmendem Bildungs- und Qualifikationsniveau ab. Auch wenn mit höherem Bildungsniveau tendenziell die Beschäftigungsaussichten zunehmen, stellt sich grundsätzlich die Frage, was (Aus-)Bildung im Hinblick auf Beschäftigung leisten kann. Höherqualifizierung wird häufig als umfassendes Lösungskonzept und dabei oft isoliert von anderen Faktoren betrachtet. Inwieweit wirkt sie tatsächlich auf eine Verbesserung der (individuellen) Situation am Arbeitsmarkt und inwieweit stellt (nur) sie ein, bisweilen auch überstrapaziertes, arbeitsmarktpolitisches Versprechen dar? Und welche Maßnahmen gibt es für gering Qualifizierte überhaupt?
Diese und andere Fragen warfen die Beiträge von Julia Bock-Schappelwein (WIFO), Marlies Kranebitter (EQUAL-Projekt Advocate) und Roland Löffler (Synthesis Forschung) genauso auf, wie sie verschiedene Antworten zum Thema lieferten. Eine intensive Auseinandersetzung mit den Fragestellungen und den Spannungsfeldern, die sie aufwerfen, fand in der Podiumsdiskussion statt, an der Wolfgang Tritremmel (Industriellenvereinigung), Roland Löffler, Michael Kozeluh (Caritas Österreich) und Werner Titelbach (Freier Sozialwissenschafter) teilnahmen und an der sich auch das Publikum rege beteiligte.
Gerade im Hinblick auf die Situation niedrig Qualifizierter, die am häufigsten von Arbeitslosigkeit bedroht sind, wird in der Diskussion um die Beschäftigungseffekte von Bildung meiner Ansicht nach ein wesentlicher Aspekt üblicherweise unterbelichtet. Dass Personen sowohl aus dem Bildungssystem als auch dem Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden (Exklusion) ist ein Effekt der vorherrschenden Logik dieser Systeme. (Vgl. u.a. Rudolf Stichweh: Inklusion und Exklusion. Studien zur Gesellschaftstheorie, Bielefeld 2005.) Entsprechend sind die Wirkungen von „bewährten“ Lösungsvorschlägen (wie zum Beispiel „mehr Bildung“, beispielhaft zu sehen auch an der „Bildungsexpansion“ der 1970er Jahre) begrenzt und bleiben zumeist hinter den Erwartungen zurück (Stichwort: Scheitern meritokratischer Ansätze.)
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Die Tagung vom 14.5.2007 erfuhr am 4.6.2007 gewissermaßen eine Ergänzung, indem es diesmal um eine Gruppe am österreichischen Arbeitsmarkt ging, die neben der häufig geringen Qualifizierung mit einer Reihe weiterer spezifischer Probleme zu kämpfen hat. Entsprechend ging es unter dem Titel „Gast oder ArbeiterIn? Ungleichstellungen und Chancen von MigrantInnen am Arbeitsmarkt“ zunächst darum, die Gruppe der Personen mit Migrationshintergrund zu beschreiben, um weiters ihre Situation in der Gesellschaft im Allgemeinen und am Arbeitsmarkt im Besonderen sowie Ursachen für ihre Problemlagen und Ungleichstellung zu identifizieren. Die Beiträge dazu lieferten Günter Ogris (SORA), Norbert Bichl (Beratungszentrum für Migranten und Migrantinnen) und Julia Fabich (Caritas Europa). An der anschließenden Podiumsdiskussion nahmen Alexander Juen (waff), Rainer Trefelik (Fonds der Wiener Kaufmannschaft), Michael Wagner-Pinter (Synthesis Forschung) und Hatice Taban, die die Sicht einer betroffenen Migrantin in die Diskussion einbrachte, teil.
Einer meiner persönlichen Eindrücke der Diskussion ist, dass nach wie vor die Problemsicht (mangelnder Integration) die Perspektive der Potenziale (von Integration und entsprechender Integrationspolitik) überdeckt. Die integrationspolitischen Versäumnisse der letzten Jahre bzw. Jahrzehnte machen es derzeit besonders schwierig, hier einen Übergang zu schaffen und die entsprechenden Umdenkprozesse zu manifestieren. Allerdings heißt dies nicht, dass es keine Schritte in diese Richtung gibt. Ich möchte hier auf die Studie „Endogenes Arbeitskräftepotenzial für die Internationalisierung Wiener Unternehmen. Einsatz von Personen mit ost- und südosteuropäischem Migrationshintergrund für grenzüberschreitende Aktivitäten.“ hinweisen, die abif in Kooperation mit KMU FORSCHUNG AUSTRIA 2005 erstellt hat.
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Der intensive Veranstaltungsblock dieses Frühjahres wurde mit der Tagung „10-Punkte-TrainerInnen, Erfolgsquoten oder ISO-Zertifizierung? Zum Qualitätsdiskurs in arbeitsmarktnahen Bildungsmaßnahmen“ abgeschlossen. Der zweite Teil des Titels, Stichwort „Quialität“, stellte den Hauptankerpunkt der Beiträge dar. Wolfgang Jütte (Donau-Universität Krems) stellte die Schwierigkeit des Themas „Qualität in der Erwachsenenbildung“ aufgrund unterschiedlicher ordnungspolitischer Ebenen (von der EU bis zu den Trägerinstitutionen) heraus und wies auf die Bedeutung pädagogischer Professionalitätsentwicklung hin. Karin Steiner (abif) stellte die Ergebnisse und Lösungsvorschläge des Leonardo da Vinci-Projektes QUINORA vor, das genau die Schwierigkeit der unterschiedlichen ordnungspolitischen Perspektiven aufgreift und bei der Qualitätsenwticklung auf eine integrierende systemische Ebene setzt. Ähnliche Themen wie QUINORA berührt laut Judith Pühringer (BDV) auch die EQUAL-Entwicklungspartnerschaft IMPROVE, die allerdings bei allen Fragen auf den Aspekt des Wettbewerbs und seiner Konsequenzen im Bereich sozialer Dienstleistungen fokussiert. Ernst Winter (AMS Österreich) gab Einblicke in die interne Personalausbildung des AMS und deren Qualitätssicherungsmaßnahmen. Die ArbeitnehmerInnenseite und die Frage, welche Bedeutung Qualität aus der Sicht der TeilnehmerInnen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen, behandelten aus unterschiedlichen Blickrichtungen sowohl Ulrike Horn (waff) als auch Silvia Hofbauer (AK Wien).
Spätestens in der Podiumsdiskussion, an der außer den Vortragenden auch Manuela Vollmann (abz.austria) teilnahm, wurde deutlich, dass viele TeilnehmerInnen im Publikum den ersten Teil des Titels und die Situation der TrainerInnen im AMS-nahen Tätigkeitsbereich stärker in den Blickpunkt stellen wollten. Kritik wurde in dieser Hinsicht immer wieder am Bundesvergabegesetz und der Ausschreibungspolitik des AMS geübt. Gerade die Professionalität der TrainerInnen wird in den Ausschreibungsrichtlinien stark verkürzt berücksichtigt, indem zum Beispiel informell erworbene Kompetenzen nicht entsprechend in die Bewertung der Qualität von Angeboten einfließen. Ein wesentliches Anliegen der Beteiligten besteht daher darin, die „10-Punkte“-Richtlinien zu reformieren, die Verantwortung für Qualität auch auf Auftraggberseite zu verankern und Anrechnungsmöglichkeiten für TrainerInnenkompetenzen zu schaffen. Ein diesbezüglich wegweisendes Modell, dem hinkünftig mehr Beachtung zu schenken sein wird, stellt die Weiterbildungsakademie dar. Und auch Projekte wie IMPROVE und QUINORA bieten hier eine elaborierte Basis für wesentliche Weiterentwicklungen.
Wir bedanken uns an dieser Stelle für die rege Teilnahmebereitsschaft an den Tagungen allgemein und den Diskussionen im Speziellen und freuen uns, Sie im Herbst zum Thema „Arbeit schaffen für ältere Arbeitslose“ wieder einladen zu dürfen.
*) Für drei der insgesamt vier Workshops bin ich im Übrigen noch Blogeinträge schuldig geblieben; zum Kurzbericht über Workshop I mit weiterführenden Dokumentationslinks gehts hier.
**) Dokumentationen zu den Tagungen inklusive PPPs, Tagungsmappe und Fotos stehen unter den Tagungslinks zur Verfügung. Zu jeder Tagung ist ein Tagungsband in Form von AMS reports mit Beiträgen der Vortragenden sowie Zusammenfassungen der Podiumsdiskussionen geplant, die über das AMS – Forschungsnetzwerk erhältlich sein werden.

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