Im Rahmen der von SORA und abif durchgeführten Studie zu Erwerbsbiographien von Diplomierten PflegerInnen im Auftrag der Abt. Arbeitsmarktforschung und Berufsinformation des AMS Österreich wurden die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie die Arbeitssituation im Gesundheits- und Krankenpflegebereich mit einer Kombination aus quantitativen und qualitativen Verfahren (Fragebogenbefragung, ExpertInneninterviews, qualitative Interviews) untersucht. Ein besonderer Schwerpunkt wurde dabei auf die beruflichen Verläufe von Diplomierten Pflegebediensteten gelegt.
Die wichtigsten Ergebnisse der Studie
Berufswahl. Zentrales Motiv, um den Beruf der Diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegeperson zu ergreifen, ist der Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Darüber hinaus gewinnen neben fachlichem Interesse und persönlicher Neigung, gute Jobchancen und die Sicherheit des Arbeitsplatzes bei jüngeren AbsolventInnen dieser Ausbildung an Bedeutung.
Berufseinstieg. Der Ersteinstieg gelingt aufgrund des hohen Praxisanteils während der Ausbildung und des vorhandenen Bedarfs an Pflegekräften nach wie vor rasch und einfach. Die quantitative Datenanalyse zeigt, dass der Übergang zwischen Ausbildung und Beruf bei Angehörigen dieser Berufsgruppe nahezu fließend erfolgte, wenngleich in jüngeren Ausbildungsjahrgängen dieser Zeitraum tendenziell länger wird. Erwähnenswert ist auch, dass relativ schnell ein erster beruflicher Wechsel erfolgt, meist innerhalb der Organisation.
Berufliche Wechsel. Aufgrund des Arbeitsmarktbedarfs an Diplomiertem Pflegepersonal sind berufliche Wechsel relativ leicht möglich, zumal in diesem Beruf auch die Rückkehrmöglichkeit mit hoher Wahrscheinlichkeit gegeben ist. Zu den wichtigsten Gründen für berufliche Wechsel zwischen Organisationen zählen bei den Erwerbstätigen vor allem der Wunsch nach einer interessanteren Tätigkeit (39%) gefolgt von den Bedürfnissen nach einer besseren Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes oder einer besseren Arbeitszeitregelung (je 29%). Der häufig verspürte Wunsch nach einer interessanteren Tätigkeit scheint insbesondere mit den hohen psychischen und physischen Anforderungen der Pflegetätigkeit zusammenzuhängen: Jede Station bringt von Fachbereich und Zusammensetzung der PatientInnen abhängige spezifische Anforderungen mit sich, die auf Dauer stark belasten können.
Berufliche Unterbrechungen. Unterbrechungen wegen Kinderbetreuungspflichten haben eine wesentliche Bedeutung im frauendominierten Pflegeberuf – dies ist auch Ursache für die größere Diskontinuität weiblicher Verläufe. Das größte Problem bei der Rückkehr in den Beruf ist die Frage der Vereinbarkeit. Vor allem die mangelnde Übereinstimmung der Öffnungszeiten von Kindergarten und Schule mit den Arbeitszeiten sowie auch ein zu geringes Angebot an Teilzeitstellen wird kritisiert.
Fluktuation und beruflicher Ausstieg. Im Gegensatz zur öffentlichen Diskussion konnte in unserer Untersuchung kein ausgeprägtes „Berufsfluchtverhalten“ festgestellt werden. Rund 60 Prozent der Befragten wollen in ihrem derzeitigen Tätigkeitsbereich bleiben. Rund jede/-r Fünfte strebt einen Wechsel in eine höhere berufliche Position an, und weitere 8 Prozent möchten zukünftig in einer anderen Organisation tätig sein. Nur ein geringer Anteil plant den Ausstieg aus dem Pflegeberuf (9%). Genauere Aussagen über Fluktuation in diesem Berufsfeld sind jedoch nur mittels prospektiver Längsschnittstudien oder mittels umfassendem sekundärstatistischen Datenmaterial möglich (Daten des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger).
Genderspezifische Unterschiede im Erwerbsverlauf. Die Diplomierte Pflege ist ein von Frauen dominiertes Berufsfeld (fast 90% Frauen), welches insbesondere durch geringere Verdienstmöglichkeiten geprägt ist. Zu den auffälligsten Unterschieden zwischen den Geschlechtern zählt vor allem die klare Artikulation von Karriereambitionen von Seiten der Männer, die sowohl bei den Motiven für die Berufswahl als auch bei Wechsel in andere Organisationen deutlich wird. Berufliche Verläufe von Frauen in der Pflege sind hingegen häufiger durch Unterbrechungen aufgrund von Kinderbetreuung sowie der sich daraus ergebenden Problematik der Vereinbarkeit charakterisiert.
Der Bericht zur Studie steht auf unserer Homepage als Download zur Verfügung.
Kürzlich erschienen:
„Berufsverläufe in der Diplomierten Pflege – zwischen (Über-)Belastung und Sicherheit“ von Marie Jelenko, in: pflegenetz, Das Magazin für die Pflege, S. 10-11, Ausgabe 04/2007.
(Link: „Magazin Pflegenetz)

1 Antwort zu „Diplomierte Pflegebedienstete – Erwerbsbiographien und Qualifikationsprofile“